Exkursion der Stader Bezirksgruppe des Richterbundes zur Reederei "NSB" in Buxtehude am 13. April 2011 (BG Stade)

Die Stadt Buxtehude ist über ihre Grenzen hinaus nicht nur für die Geschichte vom Hasen und Igel und die Vergabe des Jugendbuchpreises "Buxtehuder Bulle" bekannt, sondern ist - was weniger bekannt ist - auch Sitz einer der größten Bereederungsgesellschaften Deutschlands, nämlich der NSB Niederelbeschifffahrtsgesellschaft mbH & Co. KG. Die 1982 in Jork gegründete, zwischenzeitlich dem Bremer Vulkan zugehörige Reederei NSB hat seit 1986 ihren Stammsitz in Buxtehude. 2007 verlegte die Reederei ihren Verwaltungssitz innerhalb Buxtehudes von dem bis dato genutzten ehemaligen Schulgebäude in der Harburger Straße auf das Gelände der ehemaligen Klindtworth-Destillerie, wo sie seitdem ansässig ist.

Am 13. April 2011 bot sich den Mitgliedern der Stader Bezirksgruppe des Richterbundes die Gelegenheit, die Räumlichkeiten der Reederei im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Eine etwa zwanzigköpfige Gruppe aus aktiven und ehemaligen Kolleginnen und Kollegen hatte sich zur vereinbarten Stunde auf dem Reedereigelände eingefunden und wurde dort von einer Mitarbeiterin der NSB begrüßt. Einem kurzen Überblick über den vorgesehnen Ablauf der Besichtigung schloss sich ein Vortrag nebst Powerpoint-Präsentation an, mit dem sich die Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer über das Tätigkeitsfeld der Reederei NSB informieren konnten. Als Bereederungsgesellschaft verfügt die NSB über keine eigenen Schiffe oder Schiffslinien, sondern organisiert als maritimes Dienstleistungsunternehmen den Schiffsbetrieb für Dritte, den sogenannten "Charteren", die ein Schiff vom jeweiligen Eigentümer ohne ("Bareboat Charterer") oder mit ("Time Charterer") Besatzung "leihen". Das Leistungsspektrum der NSB umfasst hierbei unter anderem die Vermittlung von Ausrüstung und Besatzung für die Schiffe, Instandhaltung und Inspektion sowie die Aus- und Weiterbildung des Personals. Die NSB betreut so derzeit (Stand: März 2011) einhundertdreizehn Schiffe, und zwar überwiegend Containerschiffe, daneben auch einige Gas- und Produktentanker (Tankschiffe, die ausschließlich aus Erdöl gewonnene Halb- und Fertigprodukte transportieren). Mittlerweile beschäftigt die NSB mehr als viertausend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wobei der Großteil hiervon zur See tätig ist. Etwa fünfhundert Bedienstete arbeiten an Land in der Verwaltung, den beiden Reisebüros der NSB in Bremen und Hamburg und dem Navigare NSBHotel. Letztgenanntes befindet sich in dem ehemaligen Firmengebäude der NSB in Buxtehude. Die NSB verfügt neben dem Firmensitz in Buxtehude über Niederlassungen in Alabama (USA), Pusan (Südkorea) und Singapur. Diese betreuen unter anderem das Schiffspersonal vor Ort und vermitteln die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden. Neben Dienstleistungen beim Betrieb von Schiffen bietet die NSB auch die Aufsicht beim Schiffsneubau an.

Höhepunkt der Exkursion war zweifelsohne die Inaugenscheinnahme des Schiffssimulators, der von der NSBacademy - einem Aus- und Weiterbildungszentrum der Reederei - dazu genutzt wird, Kapitäne und nautische Offiziere der NSB und anderer Reedereien zu schulen und weiterzubilden. Der Simulator besteht aus einem werkgetreuen Nachbau einer Schiffsbrücke, wie sie auf den von der NSB betreuten Schiffen vorzufinden ist. Über computergesteuerte Projektoren lässt sich dort ein 270-Grad-Panorama projizieren, wodurch eine detailgetreue Simulation nahezu jeder Schiffsverkehrslage, wie sie in der Realität vorkommt, eingespielt werden kann. Geographische Position, Tages- und Jahreszeit, Wetterlage, umgebender Schiffsverkehr und andere Parameter können hierbei beliebig verändert werden. Auch den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Exkursion bot sich die Möglichkeit, nach Anleitung durch einen ehemaligen Kapitän der NSB selbst das Ruder in die Hand zu nehmen. Standesgemäß war es ein - ehemaliger - Vorsitzender, der sich mutig dieser Aufgabe annahm und das Schiff sicher durch das stark befahrene Gewässer lenkte, bis es zu einer nur schwer vermeidbaren Kollision kam. Im Ernstfalle wäre der Charterer sicherlich über den hieraus folgenden Teilverlust der Containerladung nur wenig erbaut gewesen. Mit einer Fahrt in den Hamburger Hafen nebst Manövriermanöver in eines der Hafenbecken, welches der Gruppe nochmals die Schwierigkeiten beim Umgang mit einem "Ozeanriesen" eindrucksvoll vor Augen führte, fand die Simulation ihren Abschluss.

Für die schwindelfreien Gruppenmitglieder endete die Exkursion mit der Besteigung eines Turms, der vormals von der Firma Klindtworth für den Destillationsprozess genutzt worden war und mittlerweile von der NSB zu Repräsentationszwecken genutzt wird. Von oben bot sich ein guter Überblick über das Betriebsgelände, unter anderem auch über den "Obstkindergarten". Der Kindergarten, der in eine Obstwiese mit altem Baumbestand gebaut wurde, dient vor allem den Bediensteten der NSB als Betriebskindergarten, kann aber auch von Außenstehenden genutzt werden.

Den Verantwortlichen sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der NSB sei an dieser Stelle nochmals herzlich für die informative Führung gedankt, welche einen aufschlussreichen Einblick in das Tätigkeitsfeld einer weltweit präsenten Reederei bot.

 

Lutz Meyer

 

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