Eine Zusammenstellung von Gewaltakten und deren Androhung gegen Justizbedienstete und Personen in Justizgebäuden

© Bernd Boscolo / pixelio.de

Gewaltakte gegen Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte sind in der Bundesrepublik Deutschland nicht an der Tagesordnung, dennoch kommen sie immer wieder vor. Auch gegenüber anderen Personen kommt es in deutschen Gerichten zu Gewaltausbrüchen. Fast immer kommen sie unerwartet ohne vorherige Anhaltspunkte.[1]

Der Niedersächsische Richterbund hat die Zusammenstellung aus dem Abschlussbericht seiner Arbeitsgruppe Sicherheit vom Mai 2007 ergänzt und aktualisiert. Es spricht vieles dafür, dass es auch in Niedersachsen noch weitere Vorfälle gegeben hat, die aber nicht überregional bekannt geworden sind.

Soweit als Fundstelle ein Link angegeben wird, weist das in Klammern hinzugefügte Datum auf den Tag hin, an dem der Link zuletzt überprüft wurde.

Der Terror der Rote Armee Fraktion in den 70er Jahren

Am 10. November 1974 wird der Berliner Kammergerichtspräsident Günter von Drenkmann in seiner Wohnung von Angehörigen der RAF ermordet.[2]

Am 20. November 1974 detoniert eine Rohrbombe am Hause des Hamburger Vorsitzenden Richters am Landgericht Geert Ziegler, der einer Strafkammer vorsitzt, die einen hochkarätigen APO[3]-Prozess führt.[4]

Am 7. April 1977 werden in Karlsruhe Generalbundesanwalt Siegfried Buback, sein Fahrer und ein weiterer Justizangestellter während einer Fahrt im Dienstwagen von der RAF erschossen.[5]

Bachmeier und Pinzner prägen die 80er Jahre

Im Jahr 1980 schießt im Amtsgericht Dachau ein Angeklagter mit einer Gaspistole auf einen Rechtsanwalt und verletzt diesen.[6]

Am 6. März 1981 schmuggelt Marianne Bachmeier eine Pistole in den Gerichtssaal des Landgerichts in Lübeck und erschießt den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter Anna, Klaus Grabowski, auf der Anklagebank. Sie zielt mit der Waffe auf Grabowskis Rücken und drückt insgesamt acht Mal ab.[7]

Am 29 Juli 1986 erschießt im Hochsicherheitstrakt des Hamburger Polizeipräsidiums der St.-Pauli-Killer Werner Pinzner den Staatsanwalt Wolfgang Bistry, Pinzners Ehefrau und sich selbst mit einer Pistole, die ihm seine Anwältin zugesteckt hat.[8]

Mitte der 80er Jahre wird der Hamburger Amtsrichter Harder unter Androhung von Schlägen angegriffen und gegen das Fenster gedrängt, damit er einen Haftbefehl aufhebe.[9]

Am 1. September 1987 wird der Vorsitzende Richter am Bundesverwaltungsgericht Dr. Günter Korbmacher in Berlin-Lichterfelde von Rudolf Schindler, einem Mitglied der „Revolutionären Zellen“ durch gezielte Pistolenschüsse am Unterschenkel verletzt. Für die RZ galt Korbmacher als Scharfmacher in Asylverfahren, unter seiner Leitung war der 9. Senat durch zahlreiche umstrittene Entscheidungen zum Vorreiter für eine restriktive Asylrechtsprechung bekannt geworden.[10]

Im März 1987 dringen in Hamburg-Harburg zwei Männer in das Dienstzimmer einer 58-jährigen Amtsrichterin ein. Während einer der beiden sie fest hält, schießt ihr der andere mit einer Gaspistole ins Gesicht und verletzt sie leicht. In der Presse wird dies als Scheinhinrichtung bezeichnet. Die Richterin hatte einem der Männer das Sorgerecht für sein Kind entzogen.[11]

Im Mai 1988 droht derselben Richterin in einer mündlichen Verhandlung in einem Unterhaltsrechtsstreit der geschiedene Mann mit einer scharf gemachten Gaspistole und feuert dann in die Wand.[12]

Ende der 80er Jahre ersticht in einem Hamburger Gericht ein Ausländer einen Sozialarbeiter und läuft dann mit dem Messer in der Hand durch das Gebäude - nach der Vormundschaftsrichterin suchend.[13]

17 Menschen sterben in den 90er Jahren in Gerichtsgebäuden

Im August 1992 ersticht im Landgericht Landshut aus Wut über seine Unterhaltsverpflichtungen ein 52-Jähriger die Rechtsanwältin seiner Ex-Frau. Er wird später in eine Nervenklinik eingewiesen.[14]

Am 9. März 1994 erschießt in einem Nebengebäude des Amtsgerichts Euskirchen der gerade wegen Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilte Erwin Mikolajczyk  den Richter Alexander Schäfer und sechs weitere Menschen. Anschließend sprengt er sich mit einer Handgranate in die Luft.[15]

Am 14. September 1994 ersticht in Hamburg im Strafjustizgebäude Horst L. (57) einen Angeklagten. Das Opfer hatte die Lebensgefährtin des Messerstechers getötet und war soeben wegen Totschlags verurteilt worden. Das Urteil erschien dem Angreifer als zu milde. Trotz erhöhter Sicherheitsvorkehrungen war es ihm gelungen, das Messer in den Zuschauerraum zu schmuggeln.[16]

Im Januar 1995 schneidet in Kiel ein psychisch labiler Maler einer 49-jährigen Familienrichterin in ihrem Dienstzimmer die Kehle durch, weil er irrtümlich glaubte, dass diese zuständig sei für die Entscheidung über das Sorgerecht für seinen Sohn. Er versucht dann, sich selbst zu töten, überlebt aber.[17]

Im Februar 1995 erschießt im Landgericht Köln ein Türke den mutmaßlichen Mörder seines Sohnes und verletzt einen Mitangeklagten.[18]

Im Mai 1995 tötet in einem Bremer Gericht der Bruder eines Mordopfers den mutmaßlichen Täter in einer Verhandlungspause auf dem Flur.[19]

Am 25. Juni 1996 greift ein Rentner, der an einem hirnorganischen Psychosyndrom leidet, im Hamburger Ziviljustizgebäude den Vorsitzenden der Mietrechtskammer Dr. Friedmann Sternel mit einem Enthäutungsmesser an und verletzt ihn an der Hand. Das Motiv des Täters: Er hatte in einem Mietstreit Geld verloren und machte den Vorsitzenden dafür verantwortlich.[20]

Am 14. März 1997 erschießt im Amtsgericht in Frankfurt am Main ein Polizist seine frühere Lebensgefährtin und verletzt deren Anwältin schwer. Täter und Opfer stritten um Unterhaltszahlungen.[21]

Im Februar 1998 verletzt in Aurich ein 47-jähriger Angeklagter einen Oberstaatsanwalt durch zwei Revolverschüsse schwer. Nach zwei weiteren Schüssen in Richtung auf die Zuschauer tötete sich der Mann selbst. Der Angeklagte stand gemeinsam mit seiner 42 Jahre alten Ehefrau wegen Menschenhandels und Förderung der Prostitution vor Gericht.[22]

Am 7. Mai 1998 wird ein 52-jähriger Strafrichter in seinem Dienstzimmer im Amtsgericht Essen erschossen. Danach tötet sich der 69-jährige Todesschütze selber mit einem Schuss in den Kopf. Der Täter war vor 17 Jahren wegen Betruges zu einer geringen Geldstrafe verurteilt worden.[23]

Anfang 1999 greift am Verwaltungsgericht Karlsruhe ein Asylkläger nach Klageabweisung den verkündenden Richter mit einem Stuhl an. Der Richter ging hinter der Richterbank in Deckung und der Stuhl war anschließend nicht mehr als solcher zu gebrauchen.[24]

Am 31. Mai 1999 rammt im Landgericht Kassel Markus Adler, während gegen ihn wegen Raubmordes verhandelt wird, dem Richter einen Kugelschreiber ins Gesicht.[25]

Tote und Verletzte in Justizgebäuden sind leider auch im 21. Jahrhundert kein Einzelfall

Im April 2002 wird in Hamburg der 36-jährige Angeklagte Luigi B. wegen schweren Diebstahls verurteilt und der Haftbefehl aufrechterhalten. Kaum hat der Vorsitzende Richter den Spruch beendet, springt der Angeklagte auf und packt mit beiden Händen den Tisch, der vor ihm steht. Mit Wucht schmettert er das schwere Möbelstück in Richtung des Richters. Doch der Tisch prallt am Richterpult ab. Der Angeklagte lässt jedoch nicht locker, springt auf das Pult knapp einen Meter vor dem entsetzten Richter. Erst hier wird er von zwei Vollzugsbeamten auf den Boden geworfen, tritt weiter um sich, kann erst von einem dritten Beamten gebändigt und gefesselt werden.[26]

Am 14. September 2002 wird auf das Landgericht Gießen ein Brandanschlag verübt. Keine Verletzten.[27]

Im Jahr 2004 wird in Berlin gegen einen Libanesen wegen stundenlanger Misshandlung einer jungen Frau verhandelt. Der Angeklagte ist mit der Prozessführung durch den Vorsitzenden Richter nicht einverstanden, prescht vor den Richtertisch und versetzt dem Vorsitzenden Richter eine Ohrfeige. Verbal unterstellt er dem Gericht eine Nähe zum Nationalsozialismus.[28]

Am 23. März 2005 spricht der staatenlose, psychisch kranke 49-jährige Mohamed A. in Hamburg am Holstenwall im Bürogebäude der Öffentlichen Rechtsauskunft (ÖRA) den 53-jährigen Richter Klaus-Ulrich Tempke zunächst im Flur an und sticht ihm unmittelbar darauf mit einem Klappmesser mehrfach in den Hals. Erst als ein Zeuge dazwischen geht, lässt der Täter von dem Richter ab. Tempke ist bei dem Angriff schwer verletzt worden. Das Motiv des Täters: Der Richter hatte ihn zu einer Haftstrafe verurteilt.[29]

Nachdem am 18. April 2005 der Vorsitzende Richter der Jugendkammer 4 a des Landgerichts Hamburg, Volker Öhlrich, das Urteil gegen den Vergewaltiger und Mörder der 7-jährigen Angelina verkündet und die Sitzung geschlossen hat, stürmt der Lebensgefährte von Angelinas Mutter auf den Angeklagten Patrick Sch. los, schlägt ihm ins Gesicht und traktiert ihn mit Füßen. Ein Justizbeamter stürzt sich auf den Angreifer. In diesem Moment geht Angelinas Mutter auf den Angeklagten los und schlägt ihn. Wachtmeister schaffen es mit Mühe, die Menschen aus dem Saal zu drängen.[30]

Im Juli 2005 wird in Donauwörth eine Zivilrichterin mit einem Schwert attackiert.[31]

Am 1. November 2005 dringen in Berlin mehrere maskierte und bewaffnete Personen in einen Saal der Außenstelle Lichterfelde des Amtsgerichts Schöneberg ein, in dem gerade die Zwangsversteigerung einer Immobilie stattfindet, und erbeuteten Bargeld. Bevor Justizwachtmeister und Polizei, die mittels Alarmknopf herbeigerufen werden, den Saal erreichen, können die Täter mit der Geldsumme, die der Hinterlegung für die Versteigerung diente, fliehen.[32]

Am 4. Januar 2007 wirft ein Mann einen selbst gebauten „Molotowcocktail“ in das Büro von drei Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle im Amtsgericht Altona. Der Brandsatz geht jedoch nicht in Flammen auf. Beißende Gase sorgen dennoch für Augen- und Atemwegsreizungen.[33]

Undatiert ist die Meldung, dass bei der Urteilsverkündung im Amtsgericht Düsseldorf  der Angeklagte über die Balustrade vor der Anklagebank springt und dem Richter eine Fingerkuppe abbeißt.[34]

Am 24. Mai 2007 wird ein Schweinfurter Staatsanwalt in seinem Büro durch mehrere Messerstiche schwer verletzt. Das Motiv dafür ist offenbar in einem Strafverfahren aus dem vergangenen Jahr zu suchen, in dem der 75-Jährige wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer geringfügigen Geldstrafe verurteilt wurde. Der von dem Mann niedergestochene Staatsanwalt hatte dieses Verfahren betrieben.[35]

Am 26. Juni 2008 kommt es in einem Gerichtssaal des Landessozialgerichts in Celle zu tumultartigen Auseinandersetzungen, in deren Verlauf die Angeklagte eine Justizbedienstete tätlich angreift.[36]

Am 15. September 2008 wird im Amtsgericht Hameln ein auf dem Flur wartender Zeuge von hinten von einer männlichen Person angegriffen. Der Zeuge flüchtet in einen Sitzungssaal, in der gerade eine Strafverhandlung stattfindet. Der Zeuge zieht ein Pfefferspray aus seiner Tasche und sprüht in Richtung des Angreifers. Aus dem Zuschauerraum wird ein Schuss mit einer Gaspistole abgefeuert. 17 Personen werden in Atmung und Sicht nicht unerheblich beeinträchtigt. Ein eingreifender Justizwachtmeister bricht sich bei dem anschließenden Gerangel den Finger. Im Sitzungssaal wird zudem ein Kurzschwert gefunden.[37]

Im Jahr 2008 kommt es in Hamburg bei den Amtsgerichten in zwei Fällen zu körperlicher Gewalt und in einem Fall zu einer Bedrohung mittels Waffe und in einem weiteren Fall zu einer Bedrohung mit einem anderen Gegenstand gegen Justizbedienstete.[38]

Am 13. Februar 2009 geht nach der Urteilsverkündung in dem Hamburger Prozess um den Mord an einer 16-jährigen Deutsch-Afghanin eine anonyme Todesdrohung gegen den Staatsanwalt auf der Internetseite der "Hamburger Morgenpost" ein.[39]

Am 6. März 2009 stürmt im Amtsgericht Bersenbrück ein Mann in die Sitzung des Familiengerichts und zerrt eine Frau aus dem Saal. Auf dem Flur kommt es zu einem Gerangel mit den per Notrufknopf alarmierten Wachtmeistern. Einer der Wachtmeister wird am Arm verletzt.[40]

Am 7. April 2009 schießt ein Mann in einer Verhandlungspause vor einem Sitzungssaal des Landgerichts Landshut um sich. Dabei tötet er seine Schwägerin und verletzt zwei weitere Personen schwer. In dem Sitzungssaal wurde ein Erbschaftsstreit verhandelt, eine sogenannte Auskunftsklage. Danach geht der Schütze in einen Nebenraum, wo er sich selbst mit seinem Revolver erschießt.[41]

Am 11. Juni 2009 wird die Wachtmeisterei des Amtsgerichts Wilhelmshaven durch die Polizei informiert, dass ein Mann mit einem Schwert in das Gericht wolle. Noch während des Telefonats erscheint der Mann im Auskunftsbereich der Wachtmeisterei. Nach Aufforderung öffnet er seinen Mantel und übergibt den Wachtmeistern durch die Sprechluke sein Schwert. Während der folgenden Durchsuchung der Person erscheint die Polizei und nimmt sie fest.[42]

Am 1. Juli 2009 wird im Landgericht Dresden in einer Berufungsverhandlung zu einem Beleidigungsdelikt vor der kleinen Strafkammer eine 32 Jahre alte Zeugin ägyptischer Herkunft von dem 28-jährigen Angeklagten erstochen, zwei weitere Menschen werden verletzt.[43]

Am 9. Juli 2009 muss im Amtsgericht Varel die Freundin eines Angeklagten durch die Wachtmeister mit körperlichem Zwang aus dem Sitzungssaal entfernt werden. Der Richter ordnete die Gewahrsamsnahme an.[44]

Am 13. Juli 2009 wird im Cottbuser Sozialgericht ein 23-jähriger Mann, der gedroht hatte, seine frühere Lebensgefährtin im Gericht zu erschießen, vor der Verhandlung durch die Polizei festgenommen.[45]

Am 14. Juli 2009 gibt es eine verbale Bedrohung im Oberlandesgericht Oldenburg. Eine Justizangestellte und ein Richter werden telefonisch mit der Ankündigung bedroht, der Anrufer werde für den Fall, dass ein Beschluss rechtskräftig werde, zum Gericht kommen und die Beteiligten erschießen.[46]

Am 5. November 2009 greift ein Beklagter zweimal die Klägerin in einem Mietrechtsstreit im Amtsgericht Villingen-Schwenningen an. Im neuen Gerichtsgebäude ist kein Wachtmeister zugegen. Die Alarmanlage für solche Fälle funktioniert nicht. Rechtsanwälte ringen den Angreifer nieder. Der Richter bricht schließlich die Verhandlung ab.[47]

Im Jahr 2009 kommt es in Hamburg bei den Amtsgerichten in vier Fällen zu körperlicher Gewalt gegen Justizbedienstete.[48]

Am 14. Januar 2010 verprügelt der Vater eines Missbrauchsopfers im Amtsgericht Dresden den Angeklagten während der Verhandlung.[49]

Im Februar 2010 findet der Justizwachtmeisterdienst des Amtsgerichts Hannover bei Einlasskontrollen u. a. 44 Messer, Teleskopschlagstöcke, Hämmer, schwere Ketten, selbst Feuerwerkskörper und Korkenzieher.[50] Auch nach Inbetriebnahme der Sicherheitsschleuse im Juni dieses Jahres werden bei den Stichprobenkontrollen täglich etwa 20 Messer, Schraubendreher, Pfefferspray und andere gefährliche Gegenstände gefunden.[51]

Im Juli 2010 wird eine zehnfache Mutter verurteilt, der im September 2009 vom Amtsgericht Hannover das Sorgerecht entzogen worden war. Sie. hatte nach einer Anhörung bei dem Familienrichter gegenüber zwei Justizbeamten geschimpft: „Den mache ich kalt, wenn der mir meine Kinder wegnimmt.“ Später wiederholte die 39-Jährige die Bedrohung gegenüber einer anderen Richterin: „Ich werde ihn umbringen, auch wenn ich 15 Jahre dafür bekomme.“[52]

Am 20. September 2010 nimmt die Polizei im Gebäude des Familiengerichts des Amtsgerichts Freiburg/Breisgau einen 42 Jahre alten Mann fest, der mit einem Holzbeil und einem Klappmesser gesehen wurde. Der Mann, der psychisch offensichtlich angeschlagen ist, konnte von Justizwachtmeistern und den hinzu gerufenen Polizeibeamten überwältigt werden. Die Waffen übergibt der Mann widerstandslos.[53]

Am 22. Oktober 2010 erklärt eine 58-Jährige den Justizwachtmeistern an der Einlasskontrolle des Amtsgerichts Frankfurt/Main: „Ich muss zu meinem Prozess ...“ Dann zieht sie plötzlich ohne Vorwarnung einen Füllfederhalter aus der Tasche und rammt diesen einem der Beamten mehrmals ins Gesicht. Auch eine zweite Beamtin wird von der tobenden Frau attackiert und trägt Schwellungen im Gesicht davon. Dann greift der von den Beamten ausgelöste Alarm und die Frau wird überwältigt. Zu einem Termin war sie nicht geladen.[54]

Am 27. Oktober 2010 schlitzt sich im Amtsgericht Gera ein in Untersuchungshaft sitzender 42-jähriger Angeklagter mit einem Rasiermesser in die Schädeldecke. Zuvor war er wegen Körperverletzung zu zwei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden.[55]

Im Jahr 2010 kommt es in Hamburg bei den Amtsgerichten in einem Fall zu körperlicher Gewalt gegen Justizbedienstete.[56]

Das neue Jahrzehnt

Am 15. Februar 2011 wird vor dem Landgericht Hanau gegen einen 29-Jährigen wegen Mordes verhandelt. Zum Prozessauftakt bewirft der Angeklagte den Oberstaatsanwalt mit einem Getränkebecher, beschimpft ihn wüst und droht, ihn umzubringen.[57]

Am 21. Februar 2011 soll im Amtsgericht Gießen ein im Gerichtsgebäude weinend angetroffener Mann, der „seine Kinder haben will“, von den Justizwachtmeistern vor die Tür begleitet werden. Plötzlich reißt er sich los und beginnt zu toben. Bei dem Versuch ihn zu bändigen, werden alle drei beteiligten Justizwachtmeister verletzt.[58]

Am 7. März 2011 droht ein in der vorangegangenen Woche vom Landgericht Bückeburg wegen Körperverletzung zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilter Mann aus Nordrhein-Westfalen, den Vorsitzenden dieser Strafkammer und den Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft zu erschießen. Justizwachtmeisterdienst und Polizei sichern die Eingänge. Der Mann wird am späten Nachmittag in seinem Heimatort vorläufig festgenommen.

Am 7. Mai 2011 werden zwei Richter des Amtsgerichts Bückeburg von der "Gründerin der Selbstverwaltung und Außenministerin der Regierung Deutsches Reich" bedroht, nachdem ihr in einem Sorgerechtsverfahren ihr Kind entzogen worden ist.[59]

Im Mai 2011 wird in Hannover eine Staatsanwältin beim Verlassen des Gebäudes von einem Mann mit schizophrener Persönlichkeit niedergerissen und am Boden fixiert, nachdem sie diesem erklärt hatte, dass sie ihn nicht zur Erstattung einer Strafanzeige einlassen könne, weil die Behörde bereits geschlossen habe.[60]

Am 14. Juni 2011 gehen im Landgericht Köln in einem Mordprozess zwei Nebenkläger auf den 19-jährigen Hauptangeklagten und die Verteidigung los. Zwei Justizwachtmeister stürzen sich auf die wütenden Männer und ringen sie zu Boden. Die Randalierer werden vor dem Richterpult und vor der Bank der Staatsanwaltschaft fixiert und aus dem Saal gebracht. Dabei beleidigen und bedrohen die Männer die Anwälte und den Angeklagten mit obszönen Sätzen.[61]

Am 29. Juni 2011 will sich ein 50 Jahre alter Mann, dem in einem Strafverfahren eine Haftstrafe ohne Bewährung droht, im Amtsgericht Nordhausen das Leben nehmen. Dazu übergießt er sich im Gerichtsfoyer mit Benzin. Gerichtsmitarbeiter, Sicherheitspersonal und Polizei können den Mann aber noch rechtzeitig überwältigen, als dieser im Freien versucht, sich mit Hilfe eines Feuerzeuges in Brand zu setzen. Darüber hinaus hatte der Mann angedroht, dass "alle um 15 Uhr eine Überraschung erleben, an der er lange gebastelt" habe. Ein Sprengsatz wird jedoch nicht gefunden.[62]

Am 15. Dezember 2011 wird im Oberlandesgericht Karlsruhe ein Richter von einem Beklagten, der in erster Instanz zur Zahlung einer Werklohnforderung von 6.000,00 € verurteilt worden war und dem er signalisiert hatte, dass seine Berufung wohl erfolglos sein werde, beim Verlassen des Gerichtssaals krankenhausreif geschlagen. Er verlor einen Zahn, mehrere Zähne wurden gelockert und außerdem erlitt er eine Risswunde.[63]

Im Jahr 2011 kommt es in Hamburg bei den Amtsgerichten in einem Fall zu einer Bedrohung mittels Gegenständen (außer Waffen) gegen Justizbedienstete.[64]

Am 9. Januar 2012 wird in der gemeinsamen Poststelle des Amts- und Landgerichts Köln ein an eine Zivilrichterin des Landgerichts adressierter Briefumschlag ohne Absender in der Post entdeckt, der ein zündfähiges Gemisch enthält, so dass es beim Öffnen eine Stichflamme gegeben hätte. Aufgefallen ist der Umschlag, weil aus ihm ein Draht hing.[65]

Am 11. Januar 2012 schießt im Amtsgericht Dachau ein Angeklagter während der Urteilsverkündung erst auf den Richter, der sich jedoch wegducken kann und dann auf den 31 Jahre alten Staatsanwalt Tilman Turck, der von drei Kugeln getroffen wird und im Krankenhaus seinen Verletzungen erliegt. Der 54-jährige Täter ist ein Unternehmer, der in diesem Prozess wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Sozialversicherungsbeiträgen in Höhe von 44.000 € zu einem Jahr Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt wurde.[66]

 

 

Stand 31.01.2012

Armin Böhm
Stellvertretender Vorsitzender


[1] vgl. rhein-zeitung.de/on/98/05/07/topnews/mordhin.html (24.03.2007)

[2] vgl. de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_von_Drenkmann (24.03.2007)

[3] APO = Außerparlamentarische Opposition, vgl. de.wikipedia.org/wiki/Au%C3%9Ferparlamentarische_Opposition (28.03.2007)

[4] vgl. www.richterverein.org/mhr/mhr932/m93203.htm (28.03.2007)

[5] vgl. www.abendblatt.de/daten/2007/01/12/667935.html (28.03.2007), www.stern.de/politik/historie/316610.html (28.03.2007)

[6] vgl. www.faz.net/aktuell/gesellschaft/dachau-neue-sicherheitsdebatte-nach-toedlichen-schuessen-auf-staatsanwalt-11603215.html (15.01.2012); www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/toedliche-schuesse-am-amtsgericht-dachau-staatsanwalt-fordert-haftbefehl-wegen-mordes-1.1255886-2 (15.01.2012)

[7] vgl. de.wikipedia.org/wiki/Marianne_Bachmeier (24.03.2007)

[8] vgl. www.serienkiller.net/sk3b6.html (24.03.2007), www.swr.de/ex/themen/pinzner.html (19.03.2007)

[9] vgl. www.richterverein.de/mhr/mhr052/m05210.htm (19.03.2007)

[10] vgl. www.freilassung.de/prozess/ticker/hinter/glossar.htm, www.freilassung.de/prozess/urteil/bii4.htm (24.03.2007)

[11] vgl. www.abendblatt.de/daten/2005/03/24/413804.html (24.03.2007)

[12] vgl. www.richterverein.de/mhr/mhr052/m05210.htm (19.03.2007)

[13] vgl. www.richterverein.de/mhr/mhr052/m05210.htm (19.03.2007)

[14] vgl. www.derwesten.de/nachrichten/panorama/2009/4/8/news-116526317/detail.html (08.07.2009)

[15] vgl. www.general-anzeiger-bonn.de/index.php (24.03.2007), rhein-zeitung.de/on/98/05/07/topnews/mordhin.html (24.03.2007)

[16] vgl. archiv.mopo.de/archiv/2007/20070105/hamburg/panorama/anschlag_aufs_amtsgericht.html (25.03.2007)

[17] vgl. www.richterverein.de/mhr/mhr052/m05210.htm (19.03.2007), rhein-zeitung.de/on/98/05/07/topnews/mordhin.html (24.03.2007)

[18] vgl. rhein-zeitung.de/on/98/05/07/topnews/mordhin.html (24.03.2007)

[19] vgl. rhein-zeitung.de/on/98/05/07/topnews/mordhin.html (24.03.2007)

[20] vgl. archiv.mopo.de/archiv/1998/19980205/91680193912271.html (24.03.2007)

[21] vgl. www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1997/0315/nachrichten/0073/index.html (24.03.2007), www.n24.de/politik/article.php (28.03.2007)

[22] vgl. www.germnews.de/gn/1998/02/24 (24.03.2007), rhein-zeitung.de/on/98/05/07/topnews/mordhin.html (24.03.2007)

[23] vgl. rhein-zeitung.de/on/98/05/07/topnews/mord.html (24.03.2007), www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1998/0509/lokales/0049/ (24.03.2007)

[24] vgl. www.richterverein.de/mhr/mhr052/m05210.htm (19.03.2007)

[25] vgl. www.berlinonline.de/berliner-kurier/archiv/.bin/dump.fcgi/1999/0601/allgemeines/0124/ (24.03.2007)

[26] vgl. http://www.welt.de/print-welt/article406554/Angeklagter_warf_Tisch_auf__Richter_-_10_Monate_Haft.html (24.03.2007); Anmerkung: Der in dem Zeitungsbericht erwähnte Richter Björn Jönsson ist lt. Handbuch der Justiz 2002, 26. Jahrgang, 2002, Richter in Hamburg.

[27] vgl. archiv.mopo.de/archiv/2007/20070105/hamburg/panorama/anschlag_aufs_amtsgericht.html (25.03.2007)

[28] vgl. www.welt.de/print-welt/article215104/Richter__beleidigt_und_geschlagen.html (19.03.2007)

[29] vgl. www.welt.de/print-welt/article688979/Mann_wegen_Messerattacke_auf_Richter_angeklagt.html (19.03.2007), archiv.mopo.de/archiv/2007/20070105/hamburg/panorama/anschlag_aufs_amtsgericht.html (25.03.2007)

[30] vgl. www.abendblatt.de/daten/2005/04/19/423233.html (25.03.2007)

[31] vgl. www.richterverein-hamburg.de/aktuell/prart05.htm (28.03.2007) unter Verweisung auf  www.donauwoerther-zeitung.de/Home/DieganzeRegion/AugsburgStadt/sptnid,20_regid,5_arid,516962.html

[32] vgl. www.berlin.de/sen/justiz/presse/archiv/20051101.26020.html (04.04.2007), Schreiben der Senatsverwaltung für Justiz Berlin vom 03.11.2005 – I B 8- 5330 -

[33] vgl. archiv.mopo.de/archiv/2007/20070105/hamburg/panorama/anschlag_aufs_amtsgericht.html (25.03.2007)

[34] vgl. www.richterverein.de/mhr/mhr052/m05210.htm (19.03.2007)

[35] vgl. www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,484759,00.html (08.07.2009)

[36] vgl. Gefahrenprognosen für die Gerichte und Staatsanwaltschaften in Niedersachsen, 12.04.2011, Tz. 1

[37] vgl. DEWEZET vom 16. und 18.09.2008

[38] www.buergerschaft-hh.de/Parldok/Cache/8020619745A449C022F28A0C.pdf (08.07.2009), Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, Drucksache 19/2163 vom 13.02.2009

[39] vgl. www.123recht.net/article.asp (09.06.2011)

[40] vgl. Organisationsreferat des Oberlandesgerichts Oldenburg, Sicherheit in Justizgebäuden, Standards für die Personenkontrolle in den Justizgebäuden des Bezirks des Oberlandesgerichts Oldenburg, Bericht der Arbeitsgruppe, Stand 28.09.2009, Tz. IV. 1.

[41] vgl. www.derwesten.de/nachrichten/panorama/2009/4/8/news-116526317/detail.html (08.07.2009)

[42] vgl. Organisationsreferat des Oberlandesgerichts Oldenburg, Sicherheit in Justizgebäuden, Standards für die Personenkontrolle in den Justizgebäuden des Bezirks des Oberlandesgerichts Oldenburg, Bericht der Arbeitsgruppe, Stand 28.09.2009, Tz. IV. 1.

[43] vgl. www.focus.de/panorama/welt/messerattacke-vor-gericht-keine-waffenkontrolle-vor-dresdner-bluttat_aid_413284.html (08.07.2009)

[44] vgl. Organisationsreferat des Oberlandesgerichts Oldenburg, Sicherheit in Justizgebäuden, Standards für die Personenkontrolle in den Justizgebäuden des Bezirks des Oberlandesgerichts Oldenburg, Bericht der Arbeitsgruppe, Stand 28.09.2009, Tz. IV. 1.

[45] vgl. www.lr-online.de/regionen/cottbus/Attentat-im-Cottbuser-Sozialgericht-verhindert;art1049,2603004 (09.06.2011)

[46] vgl. Organisationsreferat des Oberlandesgerichts Oldenburg, Sicherheit in Justizgebäuden, Standards für die Personenkontrolle in den Justizgebäuden des Bezirks des Oberlandesgerichts Oldenburg, Bericht der Arbeitsgruppe, Stand 28.09.2009, Tz. IV. 1.

[47] vgl. www.suedkurier.de/region/schwarzwald-baar-heuberg/villingen-schwenningen/Doppel-Attacke-vor-dem-Richter;art372541,4021727 (09.06.2011)

[48] https://www.buergerschaft-hh.de/Parldok/Cache/E5F1390D0FD40570EC018A0C.pdf (09.06.2011)

[49] vgl. www.bild.de/BILD/regional/dresden/aktuell/2010/01/14/vater-verpruegelt-grabscher/im-gericht.html (10.09.2010)

[50] vgl. www.bild.de/BILD/regional/hannover/aktuell/2010/03/08/waffenfunde-im-amtsgericht/bei-besucher-kontrollen.html (10.09.2010)

[51] vgl. www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Sperrung-wegen-Polizei-Uebung-am-Amtsgericht/Sicherheitsschleuse-im-Amtsgericht (26.10.2010)

[52] vgl. www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Zehnfache-Mutter-bedroht-Familienrichter (10.09.2010)

[53] vgl. www.suedkurier.de/region/schwarzwald-baar-heuberg/freiburg/Familiengericht-Mann-mit-Beil-und-Messer-festgenommen;art372515,4489196 (23.09.2010)

[54] vgl. www.bild.de/BILD/regional/frankfurt/aktuell/2010/10/23/amok-frau-ilse-m/polizei-fuehrt-ab-gericht-einlass-kontrolle-augen-ausstechen-fueller.html (26.10.2010)

[55] vgl. www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Angeklagter-in-Gera-schneidet-sich-aus-Protest-Schaedeldecke-auf-1831601167 (09.06.2011)

[56] www.buergerschaft-hh.de/Parldok/Cache/6460AA3482F4CE908D0107A0.pdf (31.01.2012)

[57] vgl. www.main-netz.de/nachrichten/regionalenachrichten/hessenr/art11995,1533647 (09.06.2011)

[58] vgl. www.justizwachtmeisterverband-hessen.de/stadtundland.htm (29.07.2011)

[59] vgl. www.tinawendt.blogspot.com (11.05.2011)

[60] vgl. Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung vom 26.11.2011

[61] vgl. rundschau-online.de/html/artikel/1304633513654.shtml (30.06.2011)

[62] vgl. www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Mann-drohte-sich-im-Nordhaeuser-Gericht-anzuzuenden-1535659079 (28.07.2011)

[63] vgl. www.swr.de/nachrichten/bw/-/id=1622/nid=1622/did=9134306/uk81ez/index.html (15.01.2012)

[64] Bürgerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg, Drucksache 20/2860 vom 24.01.2012

[65] vgl. www.focus.de/panorama/welt/attentat-vereitelt-briefbombe-im-koelner-amtsgericht_aid_700924.html (31.01.2012), www1.wdr.de/themen/panorama/briefbombe100.html (31.01.2012)

[66] vgl. www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/toedliche-schuesse-am-amtsgericht-dachau-staatsanwalt-fordert-haftbefehl-wegen-mordes-1.1255886 (12.01.2012), www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/2.220/toedliche-schuesse-am-amtsgericht-dachau-auch-der-richter-sollte-sterben-1.1257655 (15.01.2012)

Weitere Daten
zu diesem Arikel: